Alarm für hiesige Nashörner

Skrupelloses in Südafrika aktives Syndikat streckte bereits Fühler nach Namibia aus

Die hiesige Naturschutzbehörde, Polizei und Naturschutzorganisationen haben bereits mit internationalen Gruppen, Interpol und Nachbarländern Erfahrungen und Informationen über die Gefahren für Nashörner ausgetauscht. Jeder Namibier sollte auf der Hut sein.

© Dirk Heinrich
Ende der 80ger und Anfang der 90ger Jahre unternahm Namibia als erstes Land überhaupt die drastische Maßnahme seinen Nashörnern die Nashörner abzusägen, um die Tiere für Wilderer uninteressant zu machen. Die Maßnahme erntete sehr viel Kritik, war aber erfolgreich.

Windhoek – Die Zustände im benachbarten Südafrika sind alarmierend, denn dort wurden in den vergangenen Monaten fast 200 Nashörner von einem gut organisierten Syndikat ihres Nasenhornes wegen gewildert. „Wir vermuten, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis sich diese mit modernsten Techniken ausgerüsteten Kriminellen nach Namibia wenden. Wir wollen darauf vorbereitet sein und pflegen einen engen Kontakt zu den Kollegen in den Nachbarstaaten“, sagte der Nashornexperte und Koordinator des Nashornschutzes im Ministerium für Umwelt und Tourismus Pierre du Preez. Fast 200 der bedrohten Dickhäuter, davon etwa 70 Prozent Weiße Nashörner (Breitmaulnashörner) wurden in den vergangenen Monaten in Südafrikas Krüger-Nationalpark und in zahlreichen staatlichen und privaten Naturschutzgebieten gewildert. Die skrupellosen Kriminellen benutzen dazu Hubschrauber, Betäubungsmittel und melden sich zuvor zu legalen Nashorn-Trophäenjagden an. Hinter dem Syndikat, dem hochqualifizierte Südafrikaner, darunter wahrscheinlich sogar Naturschutzbeamte angehören sollen, stehen allem Anschein nach Vietnamesen.
Die AZ konnte aus sehr gut informierten Quellen erfahren, dass von diesen Vietnamesen versucht haben Trophäenjagden auf Nashörner in Namibia zu buchen, aber dass im Ministerium Fachkräfte aufmerksam geworden seien und diese Anträge abgelehnt haben.
In den 70ger und 80ger Jahren wurden in Namibia zahlreiche Schwarze Nashörner (Spitzmaulnashörner) gewildert und die Nasenhörner entfernt. Die damalige Naturschutzbehörde traf Ende der 80ger Jahre die drastische Entscheidung einen Großteil der grauen Riesen zu betäuben und zu enthornen. Gleichzeitig wurden die Kommunen über den Wert der Tiere unterrichtet und der Tourismus rund um die Nashörner angekurbelt. In den kommunalen Hegegebieten bewachen und beobachten Wildhüter der Hegegebiete die wertvollen Tiere. Zahlreiche Spitzmaulnashörner wurden zu ihrem Schutz umgesiedelt, davon ein Großteil im Rahmen des sehr erfolgreichen Patenschaftsprojektes.
Um der mögliche Gefahr durch Wilderer vorzubeugen trafen sich vor einiger Zeit Fachkräfte des Umweltministeriums mit Beamten der Sondereinheit zum Schutz von geschützten natürlichen Ressourcen, Vertretern von Interpol, dem Rettet-die-Nashörner-Fonds, IRDNC (Integrated Rural Development and Nature Conservation), Mitgliedern des Schwarze-Nashorn-Patenschafts-Programmes, Vertretern des WWF und Gemeinschaftsführern. Zugegen war du Preez zufolge auch eine Anzahl Experten aus dem Ausland, die sich auf den Schutz und Sicherheit von Elefanten und Nashörnern spezialisiert haben. Weiterhin waren die internationalen Organisationen TRAFFIC (The Wildlife Trade Monitoring Network) und CITES (Washingtoner Artenschutzabkommen) bei dem Treffen in Windhoek vertreten. Zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen wurden besprochen und beschlossen, täglich Informationen auszutauschen. „es ist wichtig, dass nicht nur die betroffenen Behörden und Organisationen auf der Hut sind, sondern jeder Einwohner des Landes sofort verdächtige Personen oder Spuren in Gebieten wo sich Nashörner und Elefanten aufhalten meldet“, sagte du Preez. Alle Schwarzen Nashörner in Namibia sind Staatseigentum und deshalb nationales Erbe, um welches sich jeder Bürger sorgen müsste. Weiße Nashörner befinden sich im Besitz des Staates und im Besitz von Privatpersonen.

 

Keine Gnade für Wilderer

Ministerin: Wachsamkeit darf nach Festnahmen in Südafrika keinesfalls nachlassen

Nachdem in dieser Woche elf Personen in Südafrika im Zusammenhang mit dem Tod von hunderten Nashörnern festgenommen und vor Gericht gestellt wurden, mahnte Umweltministerin Nandi-Ndaitwah, dass die Gefahr für Namibias Dickhäuter damit nicht gebannt ist.

Windhoek/Pretoria – „Wir dürfen mit unserer Wachsamkeit keine einzige Sekunde nachlassen, denn die Verhaftung der mutmaßlichen Wilderer von Nashörnern, die wahrscheinlich einem Syndikat angehören, bedeutet nicht, dass alle Wilderer gefasst wurden. Die Gefahr für unsere Nashörner ist nach wie vor vorhanden“, sagte die Ministerin für Umwelt und Tourismus, Netumbo Nandi-Ndaitwah gestern gegenüber der AZ. „Es kann sein, dass der Boden für weitere Wilderer in Südafrika nun nach den Verhaftungen von elf Personen zu heiß geworden ist, und diese sich nun nach Namibia oder in andere Länder in der Region wenden“, meinte der Nashornexperte des Umweltministeriums, Pierre du Preez.
Wilderer dürften in Namibia keine Gnade erwarten, wenn sie erwischt werden und das Personal der Naturschutzbehörde sei in volle Alarmbereitschaft gesetzt worden. „Wir werden nicht erlauben, dass sich irgendjemand illegal an unseren natürlichen erneuerbaren Ressourcen zu schaffen macht. Wir werden auf der Hut sein, denn wir wissen nicht, ob es sich um ein riesiges Netzwerk organisierter Krimineller handelt“, sagte Nandi-Ndaitwah. Was im südlichen Nachbarland geschehen sei, sei eine Lehre für Namibia. Es war vor einiger Zeit von den Verantwortlichen im Naturschutz befürchtet worden, dass die bestens ausgerüsteten und organisierten Wilderer ihre Aktivitäten nach Namibia verlagern könnten (AZ berichtete). Es lagen Beweise vor, dass Verdächtige bereits ihre Fühler nach Namibia ausgetreckt hatten und hier die Situation „testen“ wollten, indem sie Trophäenjagden auf Nashörner buchen wollten. Dies hatte die AZ aus gut informierten Quellen erfahren.
Am Mittwoch dieser Woche wurde in Musina (früher Messina) in der Limpopo-Provinz in Südafrika elf Personen vom Magistratsrichter Kaution gewährt, nachdem neun am Montag dieser Woche und zwei am Mittwoch im Zusammenhang mit Wilderei von Nashörnern verhaftet worden waren. Dies bestätigte der Pressesprecher der südafrikanischen Polizei, Oberst Vishnu Naidoo. Der Wildfarmer Dawie Gronewald erhielt Kaution in Höhe von 1 Million Rand/Namibia-Dollar, seine Frau Sariette in Höhe von 100000 R/N$ und der Tierarzt Dr. Karel Toet in Höhe von 50000 R/N$. Dr. Toets Gattin Mariza, der Tierarzt Dr. Manie du Plessis, der Berufsjäger Tielman Roos Erasmus, Dewald Gouws, Nordus Rossouw, Leon van der Merwe und Jacobus Marthinus Pronk wurden je 20000 R/N$ Kaution gewährt. Paul Matoromela musste 5000 R/N$ Kaution zahlen. Zudem mussten die Beschuldigten ihre Pässe und Personalausweise abgeben und dürfen sie sich in keiner Weise mit den 32 Nashörnern auf Groenewalds Farm Pragtig zu schaffen machen. Der Fall wurde auf den 11. April 2011 vertagt. Allem Anschein nach kann mit mindestens fünf weiteren Festnahmen in den kommenden Tagen gerechnet werden, so Oberst Naidoo auf Nachfrage. Der Pressesprecher konnte nicht bestätigen, ob einer der Verdächtigen ein Hubschrauberpilot sei. Die mutmaßlichen Wilderer müssen sich zahlreicher Klagen verantworten, darunter der illegale Besitz von Waffen und tiermedizinischen Betäubungsmitteln, Wilderei, Zerstörung von Privateigentum, Verkauf und Besitz von Produkten geschützter Tierarten und Hinderung polizeilicher Ermittlungen.
Im vergangenen Jahr wurden in Südafrika 122 Schwarze und Weiße Nashörner gewildert, in diesem Jahr bereits 204.

 

Von Dirk Heinrich

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